Wegen Patientenmorden verurteilter Krankenpfleger: Rund 140 weitere Verdachtsfälle
Im Fall eines wegen mehrfachen Patientenmordes verurteilten Krankenpflegers in Nordrhein-Westfalen weiten sich die Ermittlungen deutlich aus. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt in 121 weiteren Verdachtsfällen gegen den ehemaligen Krankenpfleger, wie eine Sprecherin am Montag sagte. In Köln laufen nach Angaben der dortigen Staatsanwaltschaft zudem Ermittlungen in 18 Verdachtsfällen. Der Pfleger war im November vom Landgericht Aachen wegen mehrfachen Mordes an Patienten verurteilt worden.
Es könnte nicht der letzte Prozess gegen den Pfleger gewesen sein, die Aachener Staatsanwaltschaft bereitet demnach eine weitere Anklage vor. Diese könnte der Sprecherin zufolge voraussichtlich im kommenden Jahr erhoben werden. Bislang wurden im Zusammenhang mit den Aachener Ermittlungen 39 Leichen exhumiert. Die Untersuchungen reichen bis September 2022 zurück.
Auch die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen den ehemaligen Krankenpfleger. Dabei geht es um mögliche Tötungsdelikte aus seiner früheren Tätigkeit in einer Kölner Klinik. Derzeit liefen dort Ermittlungen in insgesamt 18 Fällen, wobei der älteste Verdachtsfall aus dem Jahr 2010 stamme, teilte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft mit.
Bislang seien sieben Exhumierungen durchgeführt worden. "Weitere sind in Vorbereitung", ergänzte der Sprecher. Ob die Ermittlungsergebnisse für eine spätere Anklageerhebung ausreichen würden, könne noch nicht gesagt werden. Weitere rechtsmedizinische Untersuchungen stünden noch aus.
Der damals 44-jährige ehemalige Krankenpfleger war im November wegen zehnfachen Mordes sowie versuchten Mordes in 27 Fällen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung in aller Regel ausschließt. Die abgeurteilten Taten hatte der Angeklagte laut Gericht zwischen Dezember 2023 und Mai 2024 in einem Krankenhaus in Würselen bei Aachen begangen.
Der Pfleger habe den oftmals hochbetagten und pflegeaufwändigen Patienten Medikamente gespritzt, vor allem das Beruhigungsmittel Midazolam. Das Gericht sah als Motiv an, dass der Mann sich durch den Zustand der Patienten in seinem eigenen Wohlbefinden und Ordnungssinn gestört fühlte. Er habe ihren Tod durch die Medikamentengabe billigend in Kauf genommen.
Der Krankenpfleger arbeitete von 2020 bis zu seiner Festnahme im Sommer 2024 am Rhein-Maas-Klinikum in Würselen nahe Aachen. Zuvor war er in einer Klinik in Köln-Merheim tätig. Nach Medienberichten arbeitete er dort zwischen 2010 und 2011 sowie erneut von 2014 bis 2020.
Der Fall erinnert an frühere Mordserien in der Pflege. In Niedersachsen wurde der frühere Krankenpfleger Niels Högel in mehreren Prozessen zwischen 2006 und 2019 wegen des Tods von insgesamt 91 Patienten verurteilt. Allein im letzten Verfahren 2019 wurde Högel wegen 85 Morde schuldig gesprochen. Er verbüßt eine lebenslange Haftstrafe.
D.Seifert--NRZ