Neue Rheinische Zeitung - Überflutungsgefahr: Sucheinsatz im Zentrum von Katastrophengebiet in Tibet ausgesetzt

Köln -
Überflutungsgefahr: Sucheinsatz im Zentrum von Katastrophengebiet in Tibet ausgesetzt
Überflutungsgefahr: Sucheinsatz im Zentrum von Katastrophengebiet in Tibet ausgesetzt / Foto: © Tibet Military Command/AFP

Überflutungsgefahr: Sucheinsatz im Zentrum von Katastrophengebiet in Tibet ausgesetzt

Nach der verheerenden Sturzflut im nepalesisch-chinesischen Grenzgebiet ist wegen der Gefahr einer erneuten Überflutung der Rettungseinsatz im Zentrum des Katastrophengebiets in Tibet unterbrochen worden. Ein See, der sich hinter Schlamm- und Geröllmassen aufgestaut habe, beginne, über die Ufer zu treten, berichtete der chinesische Staatssender CCTV am Freitag. Daher seien alle Rettungsteams inmitten des Katastrophengebiets in der autonomen Region Tibet angewiesen worden, sich einen Kilometer weit zurückzuziehen und auf weitere Anweisungen zu warten.

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In der Nacht war in China bereits gewarnt worden, es bestehe ein "hohes Risiko" für erneute Überflutungen. Der See, der sich durch die Sturzflut hinter einem Wall aus Schlamm und Geröll gebildet habe, könne angesichts anhaltenden Regens in den kommenden drei Tagen auf ein Volumen von rund drei Millionen Kubikmeter anwachsen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das chinesische Wasserministerium.

Am Mittwoch war eine riesige Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll fast 170 Kilometer weit entlang zweier Flüsse durch Nepal gerast und riss dabei ganze Ortschaften mit. Ursache war nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS offenbar ein Gletscherabbruch. Auch die autonome Region Tibet im Nachbarland China war von der Katastrophe betroffen. Von dort seien bislang 499 chinesische Staatsbürger und 555 Touristen in Sicherheit gebracht worden, berichtete CCTV am Freitag.

Nach Angaben der nepalesischen Polizei stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer bis Freitag auf mindestens 469. Jenseits der Grenze wurden laut chinesischen Staatsmedien in der autonomen Region Tibet bislang drei Todesopfer bestätigt. Am Donnerstag hatten die nepalesischen Behörden von nahezu 400 Todesopfern und mehr als 1400 Vermissten gesprochen, unter ihnen zahlreiche Ausländer.

Dazu zählten nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde auch mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt hatte am Donnerstag erklärt, die deutschen Stellen vor Ort seien noch dabei, "belastbare Informationen zum Verbleib deutscher Staatsangehöriger" zu sammeln.

R.Neumann--NRZ