Marokko weist Verantwortung für Massenandrang von Migranten auf Ceuta zurück
Marokko hat eine Verantwortung für die Massenankunft von Migranten in der spanischen Exklave Ceuta in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Ein hochrangiger Vertreter der Regierung in Rabat, der anonym bleiben wollte, bestritt am Montagabend im Gespräch mit Journalisten, dass die marokkanischen Grenzkontrollen unzulänglich gewesen seien.
Vielmehr sei die Zahl der Migranten, die in die an Marokko grenzende Exklave gelangen wollten, derart angeschwollen, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte "an einem bestimmten Punkt" den Menschen nicht mehr hätten entgegentreten können. "Es ist zu einfach zu sagen, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte einfach hätten Gewalt einsetzen können, um sie zu stoppen", sagte der Regierungsmitarbeiter.
"Es ist nicht allein die Verantwortung Marokkos, dieses Problem in den Griff zu bekommen", fügte er hinzu. Er verwies auf ein spanisches Gerichtsurteil, wonach über den Seeweg ankommende Migranten nicht ohne weiteres sofort abgeschoben werden dürfen. Die marokkanische Regierung habe Madrid vermittelt, dieses Gerichtsurteil werde für Probleme sorgen - "und es hat für Probleme gesorgt".
"Es ist jetzt an Spanien, die Antworten auf diese Herausforderungen durch das Urteil zu finden", sagte der Regierungsmitarbeiter weiter. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hatte vermutet, der Massenandrang der Migranten sei auf von "Menschenhändlern" verbreitete Falschinformationen in Onlinenetzwerken zurückzuführen, die das Urteil absichtlich falsch ausgelegt hätten.
In der vergangenen Woche hatten rund 60.000 Menschen - teils schwimmend - die an Marokko angrenzende Exklave Ceuta erreicht. Nach Angaben der spanischen Regierung kamen 72 Menschen bei dem Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben. Die große Mehrheit der in der Exklave eingetroffenen Migranten kehrte den spanischen Angaben zufolge inzwischen nach Marokko zurück. Geschätzt nur noch etwa 2500 von ihnen hielten sich am Montag in der Exklave auf, hieß es.
Nach den Vorfällen hatte es Spekulationen gegeben, dass Marokko die Menschen möglicherweise absichtlich durchgelassen habe - etwa aus Verärgerung über einen kürzlichen Besuch des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in Algerien.
Marokko und Algerien liegen seit Jahrzehnten im Streit um die Westsahara. Marokko beansprucht die Region für sich und erhielt für diesen Anspruch im vergangenen Jahr auch die Rückendeckung des UN-Sicherheitsrats, während Algerien die Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario unterstützt. 2022 hatte Spanien seine langjährige Neutralität in der Westsahara-Frage aufgeben und sich bei dem Thema hinter Marokko gestellt - weshalb der kürzliche Besuch von Sánchez in Algerien nach Einschätzung von Beobachtern der Regierung in Rabat aufgestoßen sein könnte.
M.Bock--NRZ