Treibstoffpreise: G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl frei
Vor dem Hintergrund steigender Treibstoffpreise und Druck aus den USA haben die G7-Länder sich auf die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl geeinigt. Dies solle in den kommenden vier Monaten geschehen, erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron anlässlich einer Videokonferenz der G7-Vertreter zur Energiekrise am Freitag. Noch während die Gespräche der G7-Partner liefen, sank der US-Ölpreis um fünf Prozent.
Macron betonte, alle G7-Teilnehmer, unter ihnen US-Präsident Donald Trump, hätten sich dazu verpflichtet, auf Exportverbote zu verzichten.
Trump hatte die europäischen Partner zur Freigabe von Reserven gedrängt, um die Verbraucherpreise zu senken. Kurz vor der G7-Mitteilung hatte er in seinem Onlinedienst Truth Social erklärt, Europa werde "eine gewaltige Menge seiner umfangreichen Dieselöl-Reserven freigeben". Als Druckmittel diente der US-Regierung offenbar ein möglicher Diesel-Exportstopp der USA, den Trump zuvor in den Raum gestellt hatte.
Die "koordinierte Freigabe" werde sofort beginnen und durch die Internationale Energieagentur (IEA) erfolgen, hieß es in der in Paris veröffentlichten Erklärung weiter.
Die EU begrüßte die Entscheidung. "Unsere Bürgerinnen und Bürger brauchen und verdienen bezahlbare Energie", betonte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Onlinediensten.
Die Bundesregierung hatte ihrerseits eine besonnene Reaktion angemahnt: "Es gilt jetzt, die Märkte nicht weiter zu verunsichern", sagte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Die Versorgungssicherheit habe für die Bundesregierung "höchste Priorität". Der Grund für die hohen Kraftstoffpreise liege "zuvorderst in der Lage im Nahen Osten und der damit zusammenhängenden Verknappung des Angebots", betonte er.
Die Treibstoffpreise waren in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs erneut deutlich gestiegen. Dies erhöhte den Druck auf Trumps Republikaner, die sich rund einen Monat vor den Kongress-Zwischenwahlen in den USA im Umfragetief befinden.
Die 32 Mitgliedstaaten der IEA hatten bereits im März eine koordinierte Freigabe von Ölreserven vereinbart, um den durch den Iran-Krieg ausgelösten Preisanstieg abzufedern. Damals waren es 400 Millionen Barrel. Es war die sechste Freigabe strategischer Reserven in der Geschichte der vor mehr als 50 Jahren gegründeten IEA und die bislang größte.
In dieser Woche hatte IEA-Chef Fatih Birol erklärt, die europäischen Länder hätten einen Teil der im März vereinbarten Reserven noch nicht freigegeben. "Ein großer Teil der Bestände ist freigegeben worden, aber es bleiben immer noch einige übrig – sowohl bei Rohöl als auch bei Produkten", sagte Birol am Dienstag nach einem Treffen der EU-Energieminister.
Die Ölkoordinierungsgruppe der EU hatte Anfang der Woche festgestellt, dass es derzeit kein akutes Versorgungsproblem gibt. EU-Energiekommissar Dan Jörgensen warnte jedoch, Brüssel rechne für den Winter mit "sehr hohen Preisen".
B.Fuchs--NRZ