Steinmeier mit militärischen Ehren zu Staatsbesuch in Paris empfangen
Zum Auftakt seines Staatsbesuchs in Frankreich hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Pariser Triumphbogen das Grabmal des Unbekannten Soldaten besucht. Steinmeier erwies den im Ersten Weltkrieg getöteten französischen Soldaten am Donnerstag mit einem Blumengebinde seine Ehre. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing den Bundespräsidenten mit militärischen Ehren.
Unter dem Triumphbogen ist ein nicht identifizierter Soldat bestattet, die Flamme der Erinnerung wird regelmäßig neu entfacht. Steinmeier fährt anschließend von der berittenen Republikanischen Garde begleitet die Champs-Elysées hinunter, die anlässlich des Staatsbesuchs mit deutschen und französischen Flaggen geschmückt sind. Am Vormittag ist ein Gespräch mit Macron im Elysée geplant, anschließend wollen beide Präsidenten Erklärungen vor der Presse abgeben.
Bereits am Vorabend hatte Steinmeier bei einer Feier zur Deutschen Einheit in der Residenz des Botschafters zu mehr Besonnenheit und Menschlichkeit in Europa aufgerufen. "Vernunft und Herz, das braucht Europa auch heute wieder, in einer Zeit der Kriege und Krisen, in der unsere Demokratien angefochten sind wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr", sagte er.
Auf die aktuellen Krisen könne es nur eine Antwort geben: "Europa muss jetzt erst recht geeint und selbstbewusst für die Werte eintreten, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind: die Achtung der Menschenwürde, Frieden, Freiheit, Demokratie", betonte Steinmeier.
Gemeinsam mit will er am Abend beim Besuch des Pariser Pantheons den von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Historiker und Widerstandskämpfer Marc Bloch ehren. Der Geist von Bloch, der für ein besseres Verstehen und Verständnis füreinander eingetreten war, solle auch in Zukunft die Triebfeder der deutsch-französischen Freundschaft sein, sagte Steinmeier.
Zudem soll ein neues Abkommen für das Deutsch-Französische Jugendwerk unterzeichnet werden. Der deutsch-französische Bürgerfonds, der Städtepartnerschaften und zahlreiche weitere binationale Projekte der Zivilgesellschaft fördert, soll dauerhaft daran angegliedert werden. Dies geschieht wohl auch mit Blick auf die anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich, wo zwei deutschlandskeptische Kandidaten, die rechtspopulistische Marine Le Pen und der linkspopulistische Jean-Luc Mélenchon derzeit gute Umfragewerte haben.
In Begleitung von Macron reist Steinmeier am Freitag weiter nach Bordeaux, wo die Themen Raumfahrt und Verteidigung im Mittelpunkt des Besuchs stehen. Der Besuch sei "auch so etwas wie ein Abschiedsbesuch bei einem wirklich überzeugten Europäer und einem guten Freund", hatte Steinmeier vor seinem Abflug mit Blick auf Macron gesagt. Beide Präsidenten hatten 2017 ihr Amt angetreten und beide scheiden im kommenden Frühjahr aus dem Amt aus.
K.Peters--NRZ